Gunnars Coming Out

It’s raining men
Eigentlich wusste ich schon recht früh, dass ich schwul bin. So glaube ich zumindest. Beim Schulschwimmen z.B., da waren immer die Jungen interessanter als die Mädels. Aber so richtig gemerkt habe ich es erst, als ich begann den Quelle- oder den Otto-Katalog und da speziell die Herrenunterwäsche-Seiten zu betrachten. Und bei den Filmen im Kino oder aber im Fernsehen… Jede erotische Szene wurde von mir quasi aufgesogen. Und ich habe mich dann immer anstelle der Frau gesehen. Meine Oma hatte auch mal Bilder von nackten Männern unter meinem Bett entdeckt. Da war ich ungefähr vierzehn Jahre alt. Sie fragte natürlich, was das soll. Ich habe ihr aber keine Antwort gegeben. Mir war das nur unheimlich peinlich.

Meine Tante meinte eines Tages, als wir zum Shoppen wollten: “Wenn du dich freust, wackelst du mit dem Hintern wie ein Schwuler”. Sie wusste ja nicht, was sie da gesagt hatte. Ich habe natürlich alles bestritten und habe gesagt, dass das doch gar nicht sein kann. Aber dann kam es doch. Ich wohnte zu der Zeit bei meiner Tante und meinem Onkel. Es war Samstags und das war immer der familiäre Spielabend. Der Bruder meines Onkels, war wie fast jeden Samstag ebenfalls da. Wir alle hatten lecker gegessen.

Nach dem Abwasch wollte der Bruder meines Onkels uns ein neues Programm am PC zeigen: einen Lügendetektor. Es war so’n Ding wie es in der Sendung “Schreinemarkers Live” benutzt wurde. Ich hoffe, Ihr könnt Euch an diese Sendung noch erinnern. Wie auch immer. Der Lügendetektor misst auf jeden Fall den Hautwiderstand oder so ähnlich und jeder war halt mal dran. Bei allen hatte der Lügendetektor kaum ausgeschlagen. Wahrscheinlich waren die Fragen einfach nicht so toll. Irgendwann war auch ich mal an der Reihe. Ich musste aus dem Raum gehen und mein Cousin hatte die Fragen für mich in den PC eingegeben. Dann kamen alle wieder in den Raum. Ich musste die Fragen, die auf dem Bildschirm erschienen laut vorlesen. Ich kann mich nicht mehr genau an die ersten Fragen erinnern, aber sie waren nicht so von Bedeutung, so dass man auch keine besondere Veränderung bei den Ausschlägen auf dem Bildschirm sehen konnte.

Doch denn die Frage der Fragen!!! “BIST DU SCHWUL?” Als ich die Frage laut gelesen habe und dann mit „JA“ beantwortet hatte, schlug der Lügendetektor total aus, es hielt nicht mehr auf. Er raste von einer Skala von 0 bis 15 auf eine glatte 14. Alle um mich herum lachten, weil das Ding anscheinend doch funktionierte. Auch ich musste tierisch lachen. Es war einfach zu komisch, diese ganze Situation. Die nächsten Fragen waren dann auch wieder nicht so wichtig, aber der Lügendetektor schlug immer noch weiter aus. Wahrscheinlich weil ich noch so aufgeregt war. Dann war alles nach paar Minuten vorbei und wir haben dann wie so oft Mensch-Ärgere-Dich-Nicht gespielt. Keiner von uns hat auch nur ein Wort über den Lügendetektor verloren. Ich glaube, das war auch ganz gut so.

Er gehört zu mir
Ein paar Tage später meinte meine Tante dann zu mir: “Du, bei Arabella war heute ein Typ, der hätte dir bestimmt gefallen”. Ich fragte sie natürlich, ob sie die Sendung aufgenommen hatte. War aber leider nicht so. Na ja, und seitdem wissen es halt alle und das ist auch gut so! Ich denke, dieses Coming Out war so einfach für mich, da die Schwester meines Onkels lesbisch ist. Damit war mein Weg geebnet. Es war für alle halt ganz normal.

In der Firma ging es dann so von Abteilung zu Abteilung, kein Wunder, wenn man sich noch in der Ausbildung befindet. Ich glaube, es wissen immer noch nicht alle, aber ich mache da keinen Hehl mehr draus.

Ja und dann ging es auch los mal paar Leute kennen zu lernen, die auch schwul sind. Das war natürlich nicht so einfach, schon gar nicht wenn man schüchtern ist und es auch nicht so toll findet, alleine in die Szene zu gehen. Immer dieses Begaffen. Schrecklich. Aber einige “Bekanntschaften” fanden dann doch statt. Meistens über Kontaktanzeigen. Was sollte ich machen. Aber der Richtige war nie dabei. Nur mal was für eine oder mehrere Nächte. Aber das macht einen nicht wirklich glücklich. Bis ich dann eines Tages eine Kontaktanzeige bei eurogay.de gesehen habe. Na, wer glaubt Ihr war es wohl? Jawohl, unser Holger. Ich habe ihm sofort geschrieben und auch prompt einen Antwort erhalten. Wir haben dann fast jeden Abend telefoniert. Bis zum ersten Treffen verging einige Zeit, denn erst hatte ich Urlaub, dann hatte er Urlaub. Doch dann sollte es doch noch zu einem Treffen kommen. Es war der 26.05.2001. Ich habe ihn vom Bahnhof in Pinneberg abgeholt. Es war, als hätte mich der Schlag getroffen. Mir war klar, er ist es. Und so geschah es dann auch, wir verliebten uns ineinander. Später ist Holger dann zu mir gezogen. Wir leben glücklich und zufrieden zusammen, mittlerweile in unserem eigenen Haus.

Und sind sie nicht gestorben oder haben sich getrennt, so leben sie auch heute noch glücklich und zufrieden zusammen.

*HOLGER, ICH LIEBE DICH!!!*

1 Reply to “Gunnars Coming Out”

  1. Oh, sehr schöne Geschichte.
    Ja, die Anzeigen bei eurogay kenne ich, auch ich hab dort inseriert und meinen Schatz dort gefunden, inzwischen sind wir im 7.jahr und nix mit “verflixt” 😉

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