Über Gunnar (Gangan)

Wie alles be-gangan
Gangan erblickte am 24.01.1977 um 16:45 das Licht der Welt. Von dort an war er nicht mehr zu bremsen. Vom Krankenhaus weg ging es dann nach Hamburg, wo Gangan das erste halbe Jahr seines Lebens verbrachte. Dort meistens mit essen, schlafen, weinen, schreien und viel in die Windeln pupen. Ich weiß nicht, wie seine Eltern das überhaupt ausgehalten haben, aber egal. Nach dem ersten halben Jahr in Gangans Geburtsstadt ging es dann in das wunderschöne Ahrensburg. Gangans Mutter hatte dort ein Hausmeisterposten angenommen. So konnte sie den ganzen Tag auf den kleinen Schreihals aufpassen. Die Jahre vergingen und Gangan wuchs heran. Mit drei Jahren war das süße Leben als Kleinkind vorbei. Gangan musste in den Kindergarten. Kinderkrankheiten kamen und gingen, Ausdrücke wurden gelernt die Gangan zuvor noch nie gehört hatte und er hatte es auch endlich geschafft, seinen Namen auszusprechen!!!

Und es ging weiter
Nach vielen Bastel- und Malarbeiten war die Kindergartenzeit auch schnell rum. Dann hatte Gunnar es am eigenen Leib gespürt. Der Ernst des Lebens begann. Nie wieder sollte er es so leicht haben. Nur noch gemeine Lehrerinnen; jawohl Lehrerinnen. Es gab an der Grundschule nur Frauen, die versuchten Gunnar den Stoff aus dem Lehrplan beizubringen, was mal mehr und auch mal weniger Erfolg hatte. Einziger Mann an der Schule war der Hausmeister. Gunnar’s Klassenlehrerin war natürlich das Monster der Schule. Frau Engelke. Unter den Kindern gab es sogar einen niedlichen Spruch für diese Furie: “Die Tür geht auf, ein Fass rollt rein, das kann ja nur die warzenbespickte Engelke sein”. Tja, Kinder können schon gemein sein. Doch auch diese Lehrerin hatte Gunnar bald hinter sich, denn er beschloss einfach, die zweite Klasse noch mal zu machen. Von da an hat es ihm auch wieder Spaß gemacht. Bis dahin war auf Gunnar’s Lebensweg noch alles im rechten Lot. Als er neun Jahre war, musste seine Mutter ins Krankenhaus: Diagnose Krebs. Die Ehe von Gunnar’s Eltern lief auch vor dieser Diagnose schon nicht mehr so gut. Von da an ging es rund in Gunnar’s Leben.

Gunnars Mutter machte eine Kur. Ergebnis: Kurschatten. Die Scheidung war von da an nur noch eine Formsache. Aber Gunnar hatte anscheinend immer noch nicht die rechte Lust am Lernen. Er kam auf die Hauptschule. Welch Ekel überkam ihn. Rotzende, raufende Gören. Das war gar nicht so seine Welt. Aber er fing sich. Die Zensuren wurden besser. Seine Mutter kam noch diverse Male ins Krankenhaus. Ergebnis: Brustamputation. Wieder Kuren. Das war alles nicht leicht für Gunnars Mutter, aber sie war sehr stark. Sie fing an, den Motorradführerschein zu machen. Der Kurschatten hatte auch einen. So ging es am Wochenende dann oft ins Grüne. Alle schöpften sie Kraft. Großen Ärger gab es auch immer, wenn über die Kinder gesprochen wurde. Gunnars Mutter verteidigte ihren Sohn, der Kurschatten seine Tochter. Gunnar hatte auch oft Streit mit dem Kurschatten. Was für ein Wunder, wenn fast alles was Gunnar gemacht hat, nicht mit dem Wunsch des Kurschatten übereinstimmte. Das ging soweit, dass alle drei eine Therapeutin besuchten. Deren Meinung war es, gegenseitiges Loben würde allen gut tun. Gunnar bemühte sich auch, aber der Kurschatten, naja. Es endete damit, dass Gunnar immer in seinem eigenen Zimmer gegessen hat.

Von schönen und traurigen Dingen
Zwischen dem ganzen Trubel gab es für Gunnar aber auch schöne Erlebnisse. Er flog mit seiner Lieblings-Tante und Onkel, Onkels Bruder und seinem Cousin über den großen Teich. Das war so schön. Gunnar wollte gar nicht wieder nach Hause. Doch es war unvermeidlich. Gunnar absolvierte die Hauptschule mit einem Durchschnitt von 2,3. Schon mal nicht schlecht. Es sollte schulisch aber noch besser werden. Er fing an, seinen Realschulabschluss nachzuholen.

Dann, der große Schlag!!! Gunnars Mutterstarb am Krebs. Das Krankenhaus rief Gunnar noch am selben Tag an und bat ihn zu kommen. Gunnar rief ganz aufgeregt beim Arbeitsplatz vom Kurschatten an. Sie konnten ihn aber nicht erreichen. Gunnar wartete, bis der Kurschatten nach Hause kam. Dann sind beide sofort ins Krankenhaus gefahren. Dort angekommen sind sie zum Zimmer seiner Mutter gegangen. Der Name von ihr stand nicht mehr an der Tür. Sie wurden von einer Schwester in ein Zimmer geführt. Der behandelnde Arzt kam und sagte, sie sei tot. Gunnar war zwar traurig, konnte aber nicht heulen. Sie wurden gefragt, ob sie sie noch einmal sehen wollten. Der Kurschatten wollte, Gunnar aber nicht. Er machte sich Gedanken, warum er nicht geheult hatte. Als sie beide wieder zuhause waren, machte der Kurschatten erst mal richtig laut Musik. Gunnar rief die ganze Familie und die Freunde seiner Mutter an. Am nächsten Tag kamen Oma und Opa. Seine Tante und sein Onkel, die zu der Zeit in der Nähe von Stuttgart lebten, kamen auch. Einige Tage vergingen bis zur Beerdigung. Am Tag der Beisetzung sah Gunnar zum ersten mal seine Mutter wieder. Von da an war auch ihm klar, dass sie nie wieder kommt. Er fing an zu heulen, das erste Mal seit dem er von ihrem Tod gehört hatte. Gunnar zog wenige Tage nach der Beerdigung zu seiner Oma und Opa nach Pinneberg. Zur Schule musste er aber nach wie vor noch nach Ahrensburg fahren.

Schnelle Autos und Keyboards
Jetzt ging es los. Die Fahrschule. Gummibäume wurden im Pinneberger Raum gepflanzt, Ecken wurden begradigt und Kinder und Rentner wurden nie wieder auf den Straßen gesehen. Unglaublich aber war, Gunnar bestand auch diese Prüfung und das gleich beim ersten Mal. Seitdem ist er nicht mehr vom Lenkrad weggekommen. Als ersten Wagen hatte Gunnar einen dreizehn Jahre alten Ford Fiesta (rot), den er von seinen Großeltern und seiner Lieblingstante geschenkt bekam. Er war der erste in seiner Klasse, der den Führerschein und auch gleich ein eigenes Auto hatte. Mann, war er stolz. Er beendete die Handelsschule mit einem Durchschnitt von 2,2. Schon mal besser als die Hauptschule. Da Gunnar aber immer noch nicht genug von der Schule hatte, begann er die höhere Handelsschule. Während dieser zwei Jahre pendelte er jeden Morgen zwischen Pinneberg und Ahrensburg hin und her. Neuerdings aber nicht mehr mit dem alten Ford Fiesta, sondern mit einem kleinen knuffeligen Fiat Panda (schwarz). Beim Fiesta hätten sündhaft teure Reparaturen Gunnar in den Ruin getrieben, zu dem wollte die Karre partout nur mit Super verbleit fahren. So entschloss er sich, den Panda zu kaufen.

Wenn Gunnar grade mal nicht mit dem Auto zur Schule fuhr, hat ihn der HVV auch sicher zum Ziel gebracht. Während der Fahrten machte er Hausaufgaben und lernte für die Arbeiten. Abschluss mit 1,75 Durchschnitt. So gut sollte es schulisch nie wieder werden. Jetzt war für Gunnar der Weg in die Arbeitswelt offen, doch dann kam der Bund. Sie wollten Gunnar in eine Uniform stecken und mit dieser dann durch den Matsch jagen. Seine Tante sagte immer sagte immer, wenn sie Bundis sahen: “Guck mal, die haben wieder Wandertag mit anschließendem Picknick”. Das hörte sich natürlich verlockend an, aber Gunnar hatte sich trotzdem dagegen gewehrt. Er machte Zivildienst in einem psychiatrischem Übergangswohnheim. Sie haben ihn sogar wieder gehen lassen, man glaubt es kaum. Während der Zivi-Zeit meldete sich ein bekanntes japanische Unternehmen bei Gunnar. Die wollten ihn doch glatt unter ihre Fittiche nehmen und ihn ausbilden. Was dann auch geschah. Dann hieß es für Gunnar Ablage machen, Ware kommissionieren und diverse PC-Arbeiten erledigen. Hat auch alles recht gut hingehauen. Prüfung zum Groß- und Außenhandelskaufmann mit 2 bestanden.
So, nu aber.

Der Ernst des Lebens…
… schlug Gunnar ins Gesicht. Er hatte eine Stelle als Sachbearbeiter in der Logistik angenommen. Zollpapiere mit der Schreibmaschine schreiben war ja so toll. Aber auch die Zeit in der Logistik sollte nicht so lange währen. Schon nach nicht mal einem Jahr wurde Gunnar gefragt, ob er nicht Produktspezialist für den Bereich Multimedia, sprich Soundkarten und PC-Lautsprecher werde will. Natürlich wollte er. Doch als es losgehen sollte, wurde dieser Bereich an einen anderen Firmenzweig abgegeben. Nu stand Gunnar ohne Arbeit da. Doch am nächsten Morgen wurde er gefragt, ob er nicht der Assistent des Verkaufsleiters für den Bereich Keyboards, Synthesizer und Digitalpianos werden möchte. Was hatte Gunnar schon für eine Wahl. Aber nun mal ehrlich, Gunnar gefällt dieser Posten wirklich.

Jetzt fragt Ihr Euch bestimmt, wann nun endlich die Geschichte mit dem “Coming Out” kommt, hier ist sie

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